Susanne Schlusnus

PHYSIOBOE

Persönliche Erkenntnisse


Ganz im Sinn meiner ostpreußisch-litauischen Wurzeln und meines Namens (der in der litauischen Übersetzung „diensteifrig“ bedeutet) vereinte ich einst alle Attribute, von denen ich dachte, sie seien notwendig, um eine „große Karriere“ zu machen – maximalen Ehrgeiz, Kampf, Willen und vollen Einsatz. Dennoch wurde mein anfangs sehr erfolgreicher und gerader Weg plötzlich äußerst steinig und kurvenreich und trieb mich fast in die Selbstzerstörung mit einer beginnenden Kieferarthrose. Zwei große Missverständnisse waren bis dato für mich prägend: Anzunehmen, dass „Kämpfen“ eine Qualität in meinem Oboenspiel war, welche mich, neben meiner musikalischen Leidenschaft, auszeichnete. Dass dadurch immer mehr Blockaden entstanden, die mir jegliche Leichtigkeit nahmen, war mir nicht bewusst. Irgendwann wurde mir empfohlen, ich solle „loslassen“. Doch in diesem Fall verstand ich die dahinter liegende Botschaft nicht und assoziierte das Wort mit „Stillstand“, so, als solle ich meine Ziele loslassen. Jegliches „Nicht-Üben“ und „Nicht-Kämpfen“ waren jedoch sofort mit schlechtem Gewissen mir selbst gegenüber behaftet und auch das fühlte sich nicht gut an. Das daraus entstandene Dilemma zu lösen, wurde zur Lebensaufgabe. Oft führte dies zu einer lähmenden Lethargie, für die ich mich dann noch mehr verurteilte. Ich erwartete absolute Leistung von mir, erst durch ihre Erbringung hatte ich eine Daseinsberechtigung und empfand Selbstwert – einzig und allein meine Leistung als Oboistin bestimmten bis dahin meine Wertigkeit als Mensch.

Der Kampf, den ich kämpfte, war hauptsächlich einer gegen mich selbst und zwar die ersten 30 Jahre meines Lebens. Bis ich endlich „aufwachte“ und mein Leben eine andere Wendung nehmen sollte …

Ich begann an meiner Bewusstwerdung und Selbsterkenntnis zu arbeiten und so langsam dämmerte es mir, dass es nur bedingt um Erfolg und Anerkennung geht, sondern eher um ein Ankommen bei sich selbst sowie Authentizität, Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit – sich selbst und seiner Lebensaufgabe gegenüber. Diese Selbstannahme ermöglichte mir schließlich, mir fernab der Oboe einige andere Träume zu erfüllen:

  • Marathon zu laufen, im 10 km-Straßenlauf meine angestrebte Bestzeit zu erreichen und einige Pokale zu gewinnen
  • mir mit Skispringen einen meiner größten Lebensträume zu erfüllen :-)
  • im Skisprung-Weltcup als Physiotherapeutin des Südkoreanischen Nationalteams zu arbeiten
  • und mit dem Theremin im MDR-Sinfonieorchester im Gewandhaus zu Leipzig zu spielen.

Meine Lebensaufgabe ist ebenfalls so viel mehr als "nur" Oboistin zu sein. Nach dreißigjähriger Tätigkeit als professionelle Musikerin und als Therapeutin, Coach und Lehrerin, gibt es nun viel Wissen, Erfahrungen und Gedanken zu teilen. Dabei ist es nicht meine Intention, im Stile von „social-media“, ausschließlich glanzvollen Seiten abzubilden. Vielmehr geht es um das pure Leben mit allen Erfolgen aber auch dem Scheitern. Es ist eines meiner wichtigsten Anliegen, die (Musik)-Welt ein bisschen menschlicher zu gestalten und sich voll und ganz mit all‘ seinen Stärken und auch Schwächen zeigen zu dürfen.

                     "Willst Du gut sein, oder ganz?" - Carl Gustav Jung

(Auszug aus der Einleitung meines noch unveröffentlichten Buches "Ich, die Oboe ... oder Plan B!")